Archiv der Kategorie: Ueno

Die Ameya-yokochô in Ueno

Ueno ist nicht gerade ein Shopping-Paradies wie Omotesando, Harajuku oder Shibuya und ja, es gibt viele Obdachlose. Das ist teilweise ziemlich erschreckend, weil viele Obdachlose wirklich schlimm aussehen: Furchtbar dreckig und in sich zusammengesunken laufen sie herum. Das liegt auch daran, dass sie viele Übernachtungseinrichtungen nicht annehmen (vermutlich hat das mit Scham zu tun?!). Wenn man natürlich nur in Gegenden wie Roppongi verkehrt, bekommt man davon natürlich nicht wirklich etwas mit. Aber, so nachdenklich mich das oft macht, Ueno gefällt mir trotzdem. Vor allem Die Ameya-yokochô Arkade. Eine Straße, in der es alle möglichen Sachen zu kaufen gibt (aber keine teuren Dinge): Essen (Fisch, Nüsse, Obst, Gemüse, Fleisch,…), billige Klamotten, Schuhe, Nippes. Und dann gibt es noch viele kleine Imbissbuden, wo es z.B. Döner oder eben japanische Gerichte gibt.  Und es ist immer was los. Die Straße ist super lebendig, die Verkäufer preisen schreiend ihre Rucksäcke für 1.000 Yen an und ich fühle mich immer irgendwie wie auf einem Bazaar oder wie in China (war zwar noch nie dort, aber so stelle ich mir manche chinesische Seitenstraße vor ;) ). Wer also mal in Ueno unterwegs ist, der wird an dieser Straße nicht vorbeikommen, zumal sie auf der anderen Straßenseite der Bahnstation liegt!

Übrigens: Den Döner-Laden in der Ameya-yokochô (siehe Foto) kann ich empfehlen. Habe dort mal einen Döner mit Hühnchenfleisch gegeseen und ich fand ihn ziemlich lecker!

Feiertagsausflug ins Tokyo National Museum

Ich hatte von vielen Seiten erzählt bekommen, dass über die Golden Week Tokyo “wie ausgestorben” sei. Schon klar! Ich hatte diesen Eindruck jedenfalls nicht. Mir kam es heute genauso voll wie immer vor. Es kann natürlich sein, dass zwar alle Tokyoter aus der Stadt geflohen sind und dafür genauso viele japanische Touristen aus anderen Gegenden in die Metropole gekommen sind – das würde auf jeden Fall erklären, warum ich eine Stunde anstand, um in das Tokyo National Museum in Ueno zu kommen, um mir die Ausstellung “The National Treasure ASHURA and Masterpieces from Kohfukuji” anzuschauen. Die Ausstellung ist für Leute, die sich für den Buddhismus interessieren durchaus ein Muss, aber man sollte als Ausländer schon ein wenig Ahnung von der Materie haben. Die meisten Erklärungen waren nämlich auf Japanisch (dachten die Kuratoren vielleicht, eine Ausstellung über die  japanische Kultur schauen sich eh nur Einheimische und keine Ausländer an?!). Trotzdem war es eine sehenswerte Ausstellung, wobei es natürlich mal wieder viel zu voll war und mein Aufenthalt genauso lang war wie die Wartezeit draußen (immerhin wurden draußen Sonnenschirme und Wasserspender bereitgestellt!)…Naja, ich bin dann noch durch die regulären Ausstellungen des Museums gewandelt, die u.a. japanische Archäologie, Teezeremonie, japanische Kunst, Kinomons aus der Edo-Zeit, Samurairüstungen und Schwerter, Noh- und Kabuki-Maskeraden, japanische Kunst, die Geschichte des (Zen-)Buddhismus usw. zeigen. Sehr sehenswert, zumal das Tokyo National Museum Japans größtes Museum ist, ca. 87.000 Ausstellungsstücke beheimatet und die größte Sammlung japanischer Kunst der Welt hat!

Mit der Yamanote Linie von Ueno nach Ikebukuro

The Tokyo Ballet

Dass ich mir einmal ein Ballettstück anschauen würde, hätte ich auch nicht gedacht (oder habe ich eventuell schon mal eines gesehen, kann mich aber nicht daran erinnern?!). Hätte ich jedenfalls bestimmt auch nicht, hätte ich die 10,000 Yen Eintritt zahlen müssen ;) ! Musste ich aber um Glück nicht, den Yuko (mit ihr arbeite ich beim Praktikum zusammen) hat mir netterweise eine Freikarte zur Verfügung gestellt. Also habe ich mich heute mit ihr bei strahlendem Sonnenschein in Ueno getroffen, um das  “45th Anniversary Special Program” im Tokyo Bunka Kaikan um 15 Uhr anzuschauen (das Ganze ging bis ca. 17:45 Uhr). Das Programm war in drei Stücke unterteilt: Études, Seven Haikus of the Moon und Tam-Tam et Percussion. Und es war gut. Im mittleren Teil überkam mich zwar eine Schlafattacke, die aber nichts mit der Choregrafie zu tun hatte (vermutlich bin ich dabei, mir die japanische Art an zu gewöhnen, überall schlafen zu können ;) ). Das Programm war wirklich schön gestaltet: Anfangs die Ètudes (Choreografie von Harald Landner – nie vorher ) mit im Tütü tanzenden Ballerinas und in engen Leggins hüpfenden Ballerinos zu klassicher Musik vom Tokyo City Philarmonic Orchestra, anschließend eine Choreografie von John Neumeier (auch nie vorher gehört) mit Erzählcharakter (es wurde ein speziell dafür aufgenommenes Musikstück mit Erzähler der Haikus abgespielt) und zum Schluss eine dynamische, moderne Choreografie mit musikalischem Getrommel von Sylvio Gualda (Percussion) und Atissou Loko (Tam-Tam) (auch noch nie vorher gehört). Der letzte Teil ließ mich richtig mitwippen, so toll war der Rhythmus und das Getanze! Und insgeheim bewunderte ich alle Tänzer/innen für ihre Grazilität beim Tanzen, Biegsamkeit, Energie, Korrektheit der Ausführungen, und wie scheinbar ohne Anstrengung alles gemacht wurde (aber wieviel Arbeit eigentlich dahinter steckt, um so tanzen zu können!). Ich wäre vermutlich wie Benjamin Blümchen im Tütü über die Bühne gestampft ;) ! Törööö…

Das Louvre und Tyrannosaurus Rex in Tokyo

Heute war Museumstag: Ich bin nach Ueno gefahren und habe, nachdem ich mich mit einem Döner (da kamen Heimatgefühle auf ;) ) gestärkt hatte, das National Museum of Western Art besucht. Zur Zeit ist dort eine Ausstellung mit Gemälden aus dem Pariser Louvre: “Revolution in the Classical Age: 17th Century European Masterpieces from the Louvre Museum Collection” (läuft noch bis zum 14. Juni).

Zu sehen waren Gemälde von

Poussin, Pourbus, de Fontenay, Mignard, Grimaldi, Mignon, van Rijin, Hals, Maes, Berckheyde, Bosschaert der Ältere, Vermeer, Dupuis, Bautista Martínez del Mazo, le Lain, Falcone, van der Meulen, Spanische Schule des 17. Jahrhundert, Snayers, Flamische Schule des 17. Jh., de Villavicencio, van Ostade, Steen, Rubens, Hofmann, van Everdingen, Post, Lorrain, Velázquez, Breenbergh, Backhuysen, van Ruisdal, Coorte, Mola, Boel, van der Heyden, van Dyck, Giordano, Fetti, Brueghel, Romanelli, Dou, Wtewal, de La Fosse, Carracci, Vouet, de Cortona, Dolci, Domenichino, de la Tour, Francken der Jüngere, van Steenwijck der Jüngere, Tristán, Murillo, Albani, Battista Viola, Dujardin, Drost, Patel der Ältere, Le Brun, Francken der Jüngere, Italienische Schule des 17.Jh., de Deyster, Corneille der Jüngere, Guercino.

Normalerweise bedeutet für mich ein Museumsbesuch, in Ruhe, entspannt und mit Muse die Ausstellungsstücke anzuschauen. Aber bei dieser Ausstellung traf nichts, aber wirklich gar nichts für mich darauf zu! Ich mag beinahe behaupten, dass das der nervigste Museumsbesuch war, den ich je erlebt habe. Normalerweise mag ich Museen, schaue mir gerne Ausstellungen an. Aber (es kann natürlich sein, dass es daran lag, dass heute Sonntag ist) es war einfach nur voll. Keines der Bilder konnte ich in Ruhe anschauen, weil überall Japaner waren. Ja, sie haben sich sogar als Schlange drapiert, um schön geordnet die Bilder anschauen zu können. Das habe ich noch nie erlebt, außer bei der Mona Lisa im Louvre. Und selbst dort, wo viele Touristen sind, hat man wenigstens ein bisschen Platz.  Das hat mich wirklich ziemlich aufgewühlt – Kunst ist doch kein Anstellen für einen Hamburger! Kunst soll man genießen, mit Muse und individuell. Bei den Japanern scheint wirklich alles seine Ordnung haben zu müssen. Schrecklich! Ich habe mich natürlich nicht in der Schlange angestellt, sondern bin wie es mir passte umhergelaufen und habe mir die Bilder versucht in Ruhe anzuschauen. War aber auch nicht möglich, weil ständig irgendwelche Japaner vor mir standen und den Weg zur besseren Sicht versperrten. Für die Japaner scheint es wirklich ein Großereignis zu sein, Bilder aus dem Louvre auch einmal in ihrem Heimatland zu sehen. Auf mich machte es aber auch den Eindruck, dass viele sich die Ausstellung einfach nur nach dem Prinzip “dann kann ich erzählen, ich habe Originalwerke aus dem Louvre gesehen!” anschauten. Und wenn die Langeweile dann zu groß war, setzten sich die Japaner irgendwo hin, texteten SMS oder schliefen.

Ich habe mir dann noch die Matsukata Kollektion des National Museum of Western Art angesehen mit Werken von

Rodin, Carpeaux, di Nardo, Botticini, da Mantova, Montagna, Salviati, Veronese, Tintoretto, Vasari, Bassano, van der Weyden, Ysenbrandt, Patinir, Brueghel der Ältere, Terbrugghen, Rubens, Jordaens, van Dyck, Flinck, Teniers, Dou, Heem, Collier, van Swanevelt, Breenbergh, Reni, Flemische Schule des 15. Jh., de Ribera, Cavallino, Lorrain, Guercino, de La Tour, Both, van Ruysdael, van Clève, de Largillierre, Lancret, Nattier, Battista Tiepolo, Wilson, Domenico Tiepolo, Carlone, Fragonard, Vernet, Capet, Robert, Bertin, Delacroix, Corot, Millet, Rossetti, Doré, Moreau, Manet, Fantin-Latour, Renoir, Sisley, Pissarro, Monet, Gaugin, van Gogh, Bernard, Ranson, Bonnard, Signac, Denis, Vuillard, Bourdelle.

Dort war es schon angenehmer, aber wirklich genießen konnte ich die Kunstwerke nicht mehr, und habe das Museum zeitig verlassen. Jetzt hätte ich ja eigentlich genug haben sollen, hatte ich aber anscheinend nicht und bin anshcließend noch in das National Science Museum, Tokyo gegangen. Dort läuft gerade die Ausstellung “Dinosaurs of Gondwana” (bis 21. Juni), und da ich ja früher einmal Paläontologie studieren wollte, musste ich natürlich unbedingt hinein. Hat sich auch wirklich gelohnt: Interessante Aufmachung (leider zum Großteil nur auf Japanisch). Mit Kauf des Tickets konnte man dann noch in die restlichen Teile des Wissenschaftsmuseums hinein. Und ich muss sagen – ich war schwer beeindruckt (und meine schlechte Laune nach dem Ausflug in die japanische Übervölkerung in der Louvre-Ausstellung besserte sich dadurch ungemein!): Das Museum hat seine Hausaufgaben in Sachen Wissenspopularisierung gut gemacht. Zwar war wieder vieles nur auf Japanisch, aber auf mehreren Etage konnte man das Leben unter Wasser, über Wasser, die Evolution des Menschen, weitere Dinosaurier mit Videokommentaren des berühmten Paläontologen Dr. David Norman, Technik sehen und ausprobieren. Denn neben Anschauungsmaterial konnte man auch selbst aktiv werden auf Knöpfe drücken, um verschiedenes Insektengezirpe z.B. zu hören, wie Strom weitergeleitet wird, Audiokommentare, Videos,… Und die Gestaltung der einzelnen Ebenen war auch sehr gut. Man wurde praktisch in die jeweilige Umgebung hineinversetzt. Ein Raum z.B. war wie ein Urwald, die Wände waren als Felswände gestaltet, ein anderer zeigte die Unterwasserwelt anhand von Präparaten, Schaubildern, und auch hier war der Raum in die Ausstellung integriert. Wäre ich Lehrer in Japan, würde ich dort mit meinen Schülern hingehen. Definitiv mindestens einen Besuch wert!


Um den Tag kulinarisch ausklingen zu lassen, habe ich mich ausnahmsweise ins Hard Rock Café im Bahnhof von Ueno.
begeben (ausnahmsweise wegen der Preise ;) ) und einen schön großen, leckeren Salat gegessen. Das Grünzeug fehlt mir hier nämlich etwas…

Ach, und bevor ich es wieder vergesse:

Ich wünsche allen FROHE OSTERN :)

Ich bin ein Alien…

…und zwar offiziell. Und nein, das ist kein Aprilscherz, sondern eine Anordnung der japanischen Regierung: Jeder Ausländer, der sich länger als 90 Tage in Japan aufhält, muss eine sogenannte Alien Registration Card beantragen – und das eben innerhalb der 90 Tage ab dem Landedatum. Diese muss man dann anstatt seines Passes immer mit sich tragen, um sie im Falle eines Falles (z.B. wenn einem die Polizei mal über den Weg läuft) vorzeigen zu können. Auf der ARC steht alles, was man so wissen muss: Name, Herkunftsland, Wohnort, Geburtsdatum, Gültigkeit,…Die Karte ist ungefähr so groß wie ein deutscher Führerschein und hat ebenfalls Hologramme). Ich bin also zu dem für mich zuständigen Rathaus nach Ueno, Taito-ku (nur zwei Stationen von Minowa entfernt), und habe meine ARC abgeholt. Schön, oder ;) ? Die Karte habe ich natürlich zensiert (vor allem dieses Foto – das MUSSTE einfach zensiert werden ;) ), die schwarzen Balken sind logischerweise sonst nicht da…

Meine Alien Registration Card

Oben steht übrigens: Government of Japan – Certificate of Alien Registration

Hanami im Ueno Park

Die Kirschblüten blühen :) ! Das ist wirklich ein Highlight in Japan – man trifft sich zum Picknick auf blauen Planen, trinkt und isst zusammen, und kann einfach mal Fünfe grade sein lassen, schaut sich die Kirschblüten (Hanami) an und macht Fotos! Da wird dann schon mal ein Bier zuviel getrunken und Jungs ziehen sich Hausmädchenkleidung an. Aber solange die Kirschblüten blühen, ist diesbezüglich Ausnahmezustand angesagt! Die blauen Planen, die auf den Fotos teilweise zu sehen sind, werden schon vorträglich ausgebreitet, damit den ausgesuchten Platz auch keine andere Gruppe mehr einnimmt. Meistens hat dann eine Person Platzwache zu halten bis die anderen nachkommen. Und dann macht man es sich – ohne Schuhe natürlich – auf den Planen gemütlich und hat einfach eine Menge Spaß! Die Kirschblüten haben mich übrigens an die Mandelblüten in Deutschland erinnert…

Ueno, der Zoo und Prinzessin Michiko

Nachdem ich heute endlich mal ausgeschlafen habe (ok, ich war noch bis ca. 5 Uhr morgens wach), fühlte ich mich schon viel besser wie die Tage zuvor und beschloss nach Ueno zu fahren, um etwas im Park spazieren zu gehen, wobei natürlich auch noch tausend andere Japaner die selbe Idee hatten. Im Park war es schön ruhig im Sinne von stressfrei!Verwunderlicherweise sah ich ein paar Japaner mit Knopf im Ohr, die mir sehr nach Leibwächter aussahen. Nicht weiter beachtend wurde dann von einem Japaner, der mit seinem Hund spazieren ging angesprochen. Dieser versuchte mir dann irgendwie zu erklären, wieso denn diese Leibwächter in der Mitte der Straße des Parks herumstehen. Die Verständigung war mehr als kompliziert, aber mit dem Namen Michiko konnte ich dann doch was anfangen. Prinzessin Michiko war im Anmarsch. Und schneller als ich ein Foto machen konnte fuhr sie auch schon schön lächelnd und mit dem Händchen winkend an mir vorbei. Ob ich jetzt besonders viel Glück haben werde? Oh, und noch etwas: Die ersten Kirschblüten sind da (habe bis jetzt aber nur zwei gesehen und natürlich habe ich dies fotografisch festgehalten).

Die ersten Kirchblüten

Nach diesem “Ereignis” hatte ich Lust mal durch den Ueno Zoo, der im Ueno Park liegt, anzuschauen. 600 Yen am Ticketschalter bezahlt und los gings: Eisbären, Tapire, Vögel, Fledermäuse, Seehunde, Affen,..Der Zoo war sehr groß und hatte sogar eine Schwebebahn wie in Wuppertal, mit der man einmal durch den Zoo fahren konnte! Aber irgendwie kann ich mich nicht wirklich mit dem Gedanken anfreunden, dass die Tiere eingesperrt sind. Auch wenn sie einigermaßen Platz hatten…

Anschließend bin ich noch ein wenig durch die Straßen von Ueno gewandelt, hab hier und da mal in einem Laden vorbeigeschaut, mir etwas zu Essen und KAFFEE gekauft. Endlich kam ich wieder in den Genuss des braunen Gesöffs. Herrlich! Ich holte mir gleich zwei Becher “to go”, das musste einfach sein um mich wieder fit zu bekommen. Hat zwar nicht zu 100% geholfen, aber was nicht ist, kann ja noch werden ;)

Ueno am AbendUeno am AbendUeno am Abend

Im Übrigen wohnen im Ueno viele Obdachlose. Die haben vorher in Shinjuku gelebt, aber weil Shinjuku so stark frequentiert wird und doch so ein toller Stadtteil ist, wurden die Obdachlosen einfach umgesiedelt. Ja, so scheint das in Japan zu sein: Was nicht passt, wird passend gemacht. So einfach ist das!