Heute war ich in Shinjuku. Eigentlich wollte ich mich dort mit Martin und seiner Freundin treffen, die beide in Tokyo leben. Aber anscheinend stand ich am falschen Metro-Ausgang. Tja, und da ich nun mal kein Handy hier habe, konnte ich ihn natürlich auch nicht anrufen und fragen, wo ich denn eigentlich hin muss. So verpassten wir uns und ich “bummelte” (meiner Meinung nach kann man das in Shinjuku bzw. generell hier in Tokyo nicht wirklich “bummeln” nennen. Ich zumindest verstehe unter diesem Begriff so etwas wie gemütliches, entspanntes Spazierengehen, aber bei diesen Menschenmassen ist das ja praktisch unmöglich!) ein wenig alleine durch die Gegend (hatte natürlich auch keinen Reiseführer dabei, insofern habe ich mich auf einen kleinen Stadtteil beschränkt). Ich bin in ein paar Läden hineingegangen, habe mir etwa zu Essen gekauft und mich gefragt, was eigentlich mit der Wirtschaftskrise in Japan los ist?! Überall sah ich nur konsumierende Japaner. Unglaublich! Einkaufen scheint hier ein Volkssport zu sein, ja fast eine Art Philosophie! Ich bin zu dem persönlichen Fazit gekommen, dass ich mit dieser Konsumkultur nicht wirklich etwas anfangen kann. Diese Profilierung, die Selbstdarstellung nach außen hin, die ich hier erlebe, ist mir einfach zu viel des Guten. Sicher, sich mal was Neues zum Anziehen oder was auch immer zu gönnen, dagegen ist überhaupt nichts einzuwenden (mache ich ja auch!). Aber Tokyo erweckt bei mir den Eindruck, dass die meisten Japaner wirklich nur auf sich nach außen darzustellen aus sind. Liegt vermutlich auch daran, dass Wohnungseinrichtungen hier nicht so wichtig sind wie z.B. in Deutschland (die Buden sind ja eh zu klein, um einen teuren Designertisch hineinzustellen, also investiert man lieber in etwas, was auch andere sehen können wieKleidung, Accesoires,…!) Puh, Shinjuku war heute einfach anstrengend! Hat natürlich schon seinen Vorteil, dass die Geschäfte auch Sonntags geöffnet haben, aber die Menschenmassen scheinen trotzdem an jedem Tag gleich groß zu sein (man könnte ja vermuten, dass sich die Menschenmassen bei einer 7-Tage-Woche vielleicht prozentual gesehen gleichmäßig auf die einzelnen Stadtteile verteilen würden, aber gut, bei – Ballungsgebiete mitgerechnet – über 34 Millionen Einwohnern geht das wohl schlecht
)!
Ich muss übrigens UNBEDINGT Obst kaufen – ich merke, wie ich auf Obstentzug bin (neben dem Kaffeeentzug, da ich mir nicht jeden Tag einen Kaffee für 300 Yen gönne)…Gut, dass ich zur Überbrückung Vitamintabletten dabei habe (Danke, Mama!). Aber auch diese sind mal leer, und bis dahin muss ich irgendwo billiges Obst finden (und keinen Apfel,der 600 Yen kostet, wie ich heute in Shinjuku feststellen durfte!)…Naja, wäre ja schon mal was, wenn das Wetter besser werden würde – nass, kalt, ich fühle mich krank…Es ist an der Zeit, dass ich mal wieder die Sonne sehe!
Veröffentlicht unter Shinjuku, Tokyo